„Vorarlberger Nachrichten“ vom 07.07.2020 Ressort: VN-A

Wirbel um Ferienhaus in Schutzgebiet

Bludenz Im Klostertal auf Bludenzer Ortsgebiet sorgt der geplante Bau eines Ferienhauses im Natura-2000-Schutzgebiet „Klostertaler Bergwälder“ für Aufregung und beschäftigt bereits den Landesvolksanwalt. Konkret geht es dabei um Pläne, die offenbar vom einstigen VP-Landtagsabgeordneten und Landeschef der Jungen Volkspartei, Oliver Ladurner, betrieben werden. Im Auftrag von Anrainern hat der Dornbirner Anwalt Karl Schelling die Volksanwaltschaft eingeschaltet.

Kellergeschoß ohne Bewilligung

Das Gebiet befindet sich an den Südhängen im Klostertal (Grafik) und besteht seit 1995. Ende der 1980er-Jahre errichtete der Vater des jetzigen Bauwerbers auf einem Grundstück im Bereich Obere Furkla ohne Baubewilligung und Widmung eine Bodenplatte für ein Ferienhaus. Die Arbeiten wurden kurz nach Bekanntwerden eingestellt. Seither ist dort bis heute nur eine auf Luftbildern zu erkennende Bodenplatte, aber kein Ferienhaus. 1993, also fünf Jahre nach Beginn der illegalen Bautätigkeit, widmete die Stadt Bludenz die etwa 50 Quadratmeter große Grundfläche von „Freihaltefläche Landwirtschaft“ in „Baufläche-Wohngebiet/Ferienhaus“ um. Und tat dies ungeachtet dessen, dass der damalige Amtssachverständige beim Land noch 1990 meinte, man müsse „Ferienhäuser in dieser Lage aus grundsätzlichen Erwägungen“ ablehnen. Er schlug eine Bausperre für das gesamte Gebiet vor.

„Widmung verfassungswidrig“

Dann herrschte Ruhe. Erst 2015 suchte der Ex-Politiker und jetzige Unternehmer um eine Baubewilligung für ein Ferienhaus an gleicher Stelle an. Die hat er drei Jahre später von der Stadt Bludenz auch erhalten. Auffallenderweise verlangte die Stadt keine naturschutzrechtliche Bewilligung mitten im Natura-2000-Schutzgebiet. Für Schelling ist die Entscheidung der Stadt nicht nachvollziehbar. „Erstens ist es willkürlich und verfassungswidrig, dass ein illegaler Bau nachträglich legalisiert wird. Zweitens kann es nicht sein, dass man in einem Natura-2000-Schutzgebiet ohne naturschutzrechtliches Verfahren ein Ferienhaus bewilligt.“ Er überlege auch eine Beschwerde an die EU-Kommission. „Sündenfall könnte die Umwidmung sein“, sagt dazu Landesvolksanwalt Florian Bachmayr-Heyda. Und weiter: „Unabhängig von der rechtlichen Beurteilung ist es für mich unverständlich, dass ein früherer Schwarzbau nach Jahren zu einem bewilligten Bauprojekt werden konnte.“

2020-07-07T07:52:37+02:00