01. Dezember 2020
Int. Tag der Menschen mit Behinderung

Behinderung betrifft alle. Am 3. Dezember ist Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung.

„Die größten Barrieren sind in unseren Köpfen“

Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ist ein internationaler Vertrag und gibt zu den Rechten von Behinderten eine Leitlinie für alle Staaten vor. In den letzten 20 Jahren hat sich zum Thema „Menschen mit Behinderungen“ schon vieles im baulichen öffentlichen Lebensraum geändert: Abgesenkte Gehsteige, breitere Türen, der Einbau von Liftanlagen in öffentlichen Gebäuden uvm. Im Bereich Wohnbau ist der Einbau von Aufzügen aber nicht überall vorgeschrieben, was für gehbehinderte Menschen oft eine unüberwindbare Barriere darstellt.

Eines möchte der Vorarlberger Landesvolksanwalt Florian Bachmayr-Heyda zum Tag der Menschen mit Behinderung jedoch vorweg klarstellen: „Menschen mit Behinderung sind keine Almosen-Empfänger. Die Gesellschaft muss sich so verändern, dass alle Menschen auf Augenhöhe teilnehmen können. Vieles wurde auch schon erreicht. Im Bereich Bildung und Inklusion ist jedoch noch viel zu tun.“

Behinderung betrifft fast alle im Leben

Meist wird bei Behinderung an starke kognitive oder körperliche Behinderungen mit Rollstuhl gedacht. Behindert ist ebenso, wer „teil-eingeschränkt“ zu einem Zeitpunkt im Leben ist. Denken wir an Unfälle, Krankheit, betagte Menschen, Menschen mit Teilleistungsschwächen oder an Migration, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist.

Schlüssel „inklusive Bildung“

Inklusive Bildung ist noch lange nicht erreicht und Schlüssel für ein neues Bewusstsein. „Solange es Sonderschulen gibt, können unsere Kinder nur schwer lernen, dass zB Kinder mit großen Lernschwächen denselben Stellenwert in der Gesellschaft besitzen wie sie selbst. Die größten Barrieren sind in unseren Köpfen. Die meisten von uns haben in jungen Jahren wenig oder nie Berührung mit behinderten Kindern. Durch frühe Inklusion im Bereich der Bildung wäre es leichter ein gleichwertiges Menschenbild auf Augenhöhe für alle zu entwickeln“, unterstreicht Bachmayr-Heyda die Bedeutung der frühen Begegnung. Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf Bildung. Bildung ist ein Menschenrecht! Der Vorarlberger Monitoring-Ausschuss befasste sich die letzten zwei Jahre intensiv mit diesem Thema.

Was tun? - Im Alltag selbst das Verhalten ändern

„Ich weiß nicht, was ich da machen muss!“ Das höre man oft, sagt der Landesvolksanwalt, wenn er mit Menschen spricht, die kaum direkten Kontakt mit Behinderten haben. Es seien oft Beziehungsängste im Zusammenleben, ein Nichtwissen wie und was. Oft redet man lieber mit den Angehörigen oder den Betreuer_innen, als mit der behinderten Person selber. Eine einfache direkte Ansprache auf Augenhöhe - nicht wie mit einem Kind - würde hier schon viel Wertschätzung für den Einzelnen auslösen, meint der Vorarlberger Landesvolksanwalt Bachmayr-Heyda. Ein Bewusstseinstag wie der 3. Dezember ist auch heute noch sinnvoll. Er soll uns an die Rechte von Menschen mit Behinderungen und an ein Verhalten auf Augenhöhe mit allen Menschen erinnern.

Neu: www.landesvolksanwalt.at ist jetzt barrierefrei!

Einfache Sprache wie auch technische Barrierefreiheit ist inzwischen gesetzlich verpflichtend und findet ihren Platz im Alltag immer öfter in Texten, Anleitungen und Webseiten. „Wir wollen hier Vorreiter sein und präsentieren diese Tage unsere sprachlich, grafisch und technisch neue barrierefreie Homepage. Die Zertifizierung und Prüfung für das Gütezeichen WCAG für die Technik ist im Gange. Das Sprachniveau wurde mit der Sprachstufe B1 – leicht verständlich gewählt und zertifiziert (capito)“, so Landesvolksanwalt Bachmayr-Heyda.

Faktbox zum Volksanwalt

  • Achtet auf die Würde und die Gleichheit jedes Menschen vor dem Gesetz
  • Berät vertraulich und kostenfrei
  • Bei Problemen mit einer Behörde im Bereich der Landes- und Gemeindeverwaltung.
  • Ist Antidiskriminierungsstelle
  • Ist Monitoringstelle: Wir überwachen, ob die Rechte von Menschen mit Behinderungen beachtet werden
  • Ist Prüfstelle zum Schutz der Menschenrechte

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Download Presseaussendung vom 01.12.2020 (PDF)

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