Landesvolksanwalt kritisiert separaten Unterricht

Landesvolksanwalt Florian Bachmayr-Heyda kritisiert die seiner Ansicht nach mangelhafte Umsetzung des „Nationalen Aktionsplan Behinderung“. Als ein Beispiel nennt er im ORF Vorarlberg-Interview den Bereich Schule.

Seit sechs Jahren hat Österreich den „Nationalen Aktionsplan Behinderung 2012 – 2020“. Dieser Plan umfasst 106 Seiten mit Zielen und Maßnahmen zur Förderung und Wahrung der Rechte von Menschen mit Behinderung. Im kommenden Jahr läuft der Aktionsplan aus, nächste Woche soll der Ministerrat den Startschuss für eine Überarbeitung geben.

Gemeinsamer Unterricht als Ziel

In Vorarlberg kontrolliert der Monitoringausschuss, ob Land und Bund die Interessen von Menschen mit Behinderung fördern und schützen. Vorsitzender des Ausschusses ist Landesvolksanwalt Bachmayr-Heyda. Er kritisiert im ORF Vorarlberg-Interview, dass die meisten Kinder mit Behinderung nach wie vor in Sonderschulen unterrichtet werden.

Die Sonderschulen seien dabei nicht das Problem, so Bachmayr-Heyda. Aber für Menschen ohne Behinderung sei es ganz wichtig, mit Menschen mit Behinderung gemeinsam in die Schule zu gehen, um zu lernen, dass Menschen mit Behinderung Teil des Lebens sind und man Barrieren im Kopf abbauen müsse.

Lohn anstatt eines Taschengeldes

Es sei wichtig, Menschen mit Behinderung ein eigenständiges Leben zu ermöglichen, so Bachmayr-Heyda. Dazu zähle auch die Würdigung ihrer Arbeit mit einem Lohn. In den meisten Fällen seien Menschen mit Behinderung in Werkstätten beschäftigt und würden nur ein Taschengeld bekommen.

Das habe Einfluss auf das ganze Leben, so der Landesvolksanwalt. Die Menschen seien somit nicht ordentlich pensionsversichert und hätten auch keine Möglichkeit auf Krankengeld.

Verschlechterung in der Bauordnung

Laut dem „Nationalen Aktionsplan Behinderung 2012 – 2020“ sollte die Inklusion, die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Realität sein. Dieses Ziel liege aber in weiter Ferne, so Bachmayr-Heyda. In manchen Punkten habe es sogar Verschlechterungen gegeben, etwa in der Bauordnung des Landes. Der Politik fehle die Einsicht, dass Wohnanlagen Lifte brauchen.

Die nächste öffentliche Sitzung des Monitoringausschusses findet am 12. Juni 2019 in der Fachhochschule Dornbirn statt. Thema ist Inklusion und Schule.

05.05.2019 VN

2019-07-05T12:22:18+02:00