Leserbrief , VN vom 21/22. September 2019 

Gegen Diskriminierung

FPÖ-Spitzenkandidat Reinhard Bösch wird in den VN vom 19.09.2019 bezüglich Adoptionsrecht homosexueller Paare zitiert: „Man darf Kinder nicht mit Dingen konfrontieren, mit denen sie in diesem Alter noch nicht fertig werden.“ Das zu lesen, hat mich irritiert und verärgert. Ich hoffe, dass Bösch falsch bzw. verzerrt zitiert wurde. Keine seriöse Studie behauptet, Kinder würden durch die „Konfrontation“ mit Homosexualität in ihrer Entwicklung gestört.

Im Gegenteil: Eine Untersuchung des bayerischen Staatsinstituts für Familienforschung zeigt: „Der schulische und berufliche Werdegang ist normal.“ Anderslautende Vorurteile zu verbreiten, stellt eine Diskriminierung von homosexuellen Menschen dar und darf nicht unwidersprochen bleiben. Wir müssen nicht erst ins antike Griechenland oder zu Pinguinen, wo auch mal zwei Männchen gemeinsam ein Junges aufziehen, schauen, um zu erkennen: Homophobie ist anerzogen. Homosexualität ist es nicht. Dementsprechend hat der Verfassungsgerichtshof zahlreiche diskriminierende Bestimmungen aufgehoben – wie eben zuletzt das Adoptionsverbot. Auch Papst Franziskus will Menschen nicht mehr aufgrund ihrer Homosexualität benachteiligen. Es ist höchste Zeit, dass der Rest der Welt nachzieht.

Ich hoffe, dass die Diskriminierung von homosexuellen Menschen ganz rasch der Vergangenheit angehört. Das kann nur gelingen, wenn sich die Verantwortungsträger ihrer Rolle bewusst sind und wir alle an einem Strang ziehen, um Diskriminierung aufgrund  der sexuellen Orientierung zu verhindern.

Mag. Florian Bachmayr-Heyda, Landesvolksanwalt

Leiter der Antidiskriminierungsstelle, Bregenz

2019-09-23T09:50:38+00:00